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Bypass bei Herzkranzgefäßerkrankungen

Engstellen in Gefäßen erfordern zuweilen eine Bypass-Operation, um den Blutfluss sicherzustellen. Dabei überbrückt der Arzt die Engstelle meist mit einem körpereigenen Blutgefäß
von Dr. med. Dagmar Bischoff, aktualisiert am 04.04.2017

Brustschmerzen können auf eine Erkrankung der Herzkranzgefäße hinweisen. In manchen Fällen ist dann eine Bypass-Operation nötig

Fotolia/Dron

Welche Arten von Gefäß-Bypässen gibt es?

Bypässe können an verschiedenen Stellen des Körpers eingesetzt werden: Beispielsweise im Rahmen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) an den Beingefäßen, oder bei einer koronaren Herzkrankheit (kHK) an den Herzkranzgefäßen.

Am häufigsten werden die Herzkranzgefäße mit einem Bypass versorgt. Zur Überbrückung verwenden die Ärzte dabei oft Beinvenen, die sie vorher aus den Ober- oder Unterschenkeln desselben Patienten entnommen haben (aortokoronarer Venenbypass). Oder sie nähen das Ende der Brustwandarterie auf ein Herzkranzgefäß, so dass diese sich an der Blutversorgung beteiligt (Arteria-mammaria-interna-Bypass). Als weitere Möglichkeit kommt die Entnahme von Arterien aus dem Unterarm (Arteria-radialis-Bypass) infrage.

Wann ist eine Bypass-Operation bei koronarer Herzkrankheit sinnvoll?

Bei einer Verengung der Herzkranzgefäße durch Arterienverkalkung kommen prinzipiell mehrere Behandlungsmethoden infrage. Der Arzt kann entweder nur Medikamente anordnen, eine Ballonaufweitung (PTCA), in der Regel mit Implantation einer Gefäßprothese (Stent), oder eine Bypass-Operation empfehlen. Für welche Therapiemethode sich Arzt und Patient letztendlich entscheiden, hängt von mehreren Faktoren ab. Der Arzt muss neben dem Alter auch die Begleiterkrankungen des Patienten (wie zum Beispiel Diabetes mellitus) in Betracht ziehen. Außerdem spielt es eine große Rolle, wie viele Herzkranzgefäße betroffen sind, wo sich die Verengungen befinden, wie ausgeprägt sie sind und ob die Herzfunktion eingeschränkt ist.

Häufig erfolgt eine Bypass-Operation, wenn das Hauptkranzgefäß der linken Herzkammer oder mehrere Herzkranzgefäße an verschiedenen Stellen betroffen sind. Als Basis der Entscheidung dient in der Regel eine Herzkatheteruntersuchung vorab, welche die Herzkranzgefäße mit allen Verengungen genau darstellt. Im Anschluss bespricht üblicherweise ein Herzteam aus Kardiologen und Herzchirurgen, welches die beste Behandlungsalternative ist.

Wie wird die Bypass-Operation am Herzen vorbereitet?

Vor der Operation werden üblicherweise eine Blutuntersuchung mit Blutgruppenbestimmung, ein Röntgenbild der Lunge, ein Lungenfunktionstest und Ultraschalluntersuchungen des Herzens und der Halsgefäße gemacht. Eventuell erfolgt vorab auch eine Eigenblutspende des Patienten, damit Blutverluste während der Operation ausgeglichen werden können. In einem ausführlichen Aufklärungsgespräch erklärt der Herzchirurg dem Patienten die geplante Operation.

Für einen Bypass kann zum Beispiel eine Vene (blau) oder die Brustwandarterie (rot) verwendet werden

W&B/Martina Ibelherr

Wie läuft eine Bypass-Operation am Herzen ab?

Eine Bypass-Operation wird in Vollnarkose und meistens mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Dabei legen die Ärzte das Herz für den Zeitraum der Operation still und die Herz-Lungen-Maschine hält den Blutkreislauf aufrecht. Der Herzchirurg öffnet den Brustkorb, indem er das Brustbein der Länge nach durchtrennt und auseinander klappt.

Er schließt die Herz-Lungen-Maschine an die Hohlvene und an die Hauptschlagader an. Die zur Bildung des Bypasses vorher entnommenen Gefäße, wie zum Beispiel die Vena saphena magna oder die Arteria radialis, näht er an die Hauptschlagader und hinter der Engstelle auf die Herzkranzgefäße. Wenn es möglich ist, die linke oder rechte Brustwandarterie als Bypass zu verwenden, wird diese freigelegt und als Bypassgefäß angenäht. Manchmal legt der Arzt drei bis vier Bypässe, je nachdem, wie viele Engstellen überbrückt werden müssen.

Nachdem der Herzchirurg kontrolliert hat, dass der Blutfluss an den behandelten Stellen gewährleistet ist, wird das Blut wieder durch das Herz geleitet. Sobald das Herz seine Funktion reibungslos erfüllt, entfernt der Herzchirurg die Herz-Lungen-Maschine und verschließt den Brustkorb. Zwei bis drei Ablaufschläuche (Drainagen) halten für einige Tage eine Verbindung zur Brusthöhle aufrecht, damit Sekret und Blut abfließen kann. Außerdem verbleiben für die ersten Tage Herzschrittmacherkabel, über die das Herz im Falle eines zu niedrigen Herzschlages stimuliert werden kann. Die gesamte Operation dauert durchschnittlich zwei bis drei Stunden.

Bypass-Operation am schlagenden Herzen

Bei günstiger Lokalisation der betroffenen Herzkranzgefäße können die Ärzte die Bypass-Operation heutzutage auch am schlagenden Herzen durchführen und auf den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine verzichten. Das kann insbesondere bei älteren Patienten und bei Patienten mit Begleiterkrankungen sinnvoll sein, um das Operationsrisiko zu verringern. Allerdings erfordert diese Operationsmethode eine entsprechende Erfahrung des Operateurs. Wenn der Herzchirurg dabei den Brustkorb wie bei der herkömmlichen Bypass-Operation im Bereich des Brustbeines eröffnet, spricht man von der OPCAB-Operation (off-pump coronary artery bypass). Wenn er ihn stattdessen seitlich zwischen den Rippen öffnet, heißt die Methode MIDCAB-Operation (minimal invasive direct coronary artery bypass). Eine Vollnarkose ist auch bei diesen Verfahren erforderlich.

Nachbehandlung nach Bypass der Herzkranzgefäße

Nach einer Bypass-Operation werden die Patienten ein bis drei Tage auf einer Intensivstation überwacht. Danach kommen sie für ungefähr ein bis zwei Wochen auf eine Normalstation. Dort führen unter anderem Krankengymnasten mit den Patienten ein Aufbautraining durch. Anschließend werden das Training und die weitere Behandlung in der Regel in einer dreiwöchigen Anschlussheilbehandlung fortgesetzt.

Was sind die Risiken einer Bypass-Operation am Herzen?

Die Bypass-Operation ist eine der häufigsten Herzoperationen. Heutzutage wird sie auch noch in höherem Lebensalter durchgeführt. Wie bei jeder Operation kann es zu Wundinfektionen, Nachblutungen und zur Bildung von Blutgerinnseln mit der Gefahr eines Schlaganfalles (bei ungefähr zwei Prozent) kommen. Außerdem kann die Herzfunktion durch die Operation geschwächt werden und gegebenenfalls eine Herzinsuffizienz resultieren. Relativ häufig treten nach der Operation Herzrhythmusstörungen auf, die eventuell eine medikamentöse Behandlung erfordern. Einen Herzinfarkt erleiden bis zu fünf Prozent der Patienten während einer Bypass-Operation. Ungefähr ein Prozent der Patienten versterben während einer Bypass-Operation. Das Risiko steigt an, wenn die Herzfunktion vor der Operation schon eingeschränkt ist.

Prof. Wolfram Delius

W&B/Bernhard Huber

Beratender Experte: Professor Dr. med. Wolfram Delius ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. Er habilitierte sich an der medizinischen Universitätsklinik Uppsala, Schweden, und hatte anschließend eine außerordentliche Professur für Medizin an der Technischen Universität München inne. Der Herzspezialist war lange Zeit als Chefarzt tätig, zuletzt zwei Jahrzehnte an der Abteilung Kardiologie/Pneumologie am Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen (Akademisches Lehrkrankenhaus). Inzwischen führt er eine eigene Praxis.

Professor Delius wirkt seit Jahren aktiv bei Fortbildungsveranstaltungen der Bayerischen Ärztekammer mit und wurde mit der Ernst von Bergmann Plakette der Bundesärztekammer ausgezeichnet.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Fotolia/Dron, W&B/Bernhard Huber, W&B/Martina Ibelherr

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