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Endoskopie: Spiegelung der Körperhöhlen

Bei einer Endoskopie führt der Arzt eine Sonde samt Optik in eine Körperhöhle ein. Je nach Region gibt es zum Beispiel die Lungen-, Magen-, Darm- oder Bauchspiegelung
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 24.08.2016

Endoskopische Operation eines Bänderrisses am Knie

W&B/Szczesny

Endoskope sind je nach Hohlraum starr oder flexibel

Je nach Körperregion eignen sich entweder starre Sonden oder flexible Schläuche als Endoskop. Die Optik an der Spitze kann im einfachsten Fall aus einem Spiegel bestehen wie bei der indirekten Kehlkopfspiegelung. Oft handelt es sich aber heutzutage um hochwertige Miniaturkameras, die während des Eingriffs in Echtzeit das Bild auf einen Monitor übertragen.

Es gibt Endoskopie-Arten, bei denen der Arzt das Endoskop über eine natürliche Körperöffnung einführt: Kehlkopf, Lunge und Magen kann er über Nase oder Mund ansteuern, den Dickdarm über die Analöffnung, die Blase über die Harnröhre. Bei anderen Endoskopie-Arten sind kleine Schnitte in der Haut nötig, um das jeweilige Gebiet zu erreichen. Beispiel dafür sind Gelenke oder die Bauchhöhle.

Eingriffe mittels endoskopischer Werkzeuge möglich

Dabei dient eine Endoskopie nicht nur der Untersuchung, sondern die Ärzte können auch Eingriffe vornehmen: Bei schlauchähnlichen Endoskopen führen sie Werkzeuge wie Zangen und Fräsen direkt durch den Schlauch ein. Im Rahmen von Gelenkspiegelungen und Bauchspiegelungen schafft sich der Arzt per Hautschnitt einen zweiten oder dritten Zugang, um seine Werkzeuge effektiv einsetzen zu können. Per Bronchoskop können Ärzte eine Spülung der Lunge vornehmen, eine sogenannte Bronchiallavage, und die eingesetzte Flüssigkeit anschließend wieder absaugen.

Die Verfahren im Einzelnen:

Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie)

Die Ärzte unterscheiden zwischen der indirekten und der direkten Kehlkopfspiegelung. Bei der indirekten Kehlkopfspiegelung hält der Arzt beim wachen Patienten einen kleinen Spiegel samt Stil in den Rachenraum. Auf diese Weise kann er die Stimmlippen betrachten. Die direkte Laryngoskopie kann der Arzt nur bei einem ohnmächtigen oder betäubten Patienten durchführen. Je nach Vorhaben setzt er entweder ein Intubations- oder ein Operationslaryngoskop ein. Das spatelförmige Intubationslaryngoskop dient zur korrekten Platzierung eines Beatmungsschlauches. Mit dem schlauchförmigen Operationslaryngoskop führt der Arzt Eingriffe am Kehlkopf durch.

Schema einer Bronchoskopie

W&B/Szczesny

Lungenspiegelung (Bronchoskopie)

Liefern Röntgen und Computertomografie der Lunge keine ausreichenden Informationen, kommt die Lungenspiegelung als Diagnosemethode infrage. Auch bei der Behandlung spielt sie eine Rolle, beispielsweise um zähen Schleim abzusaugen. Bei der Lungenspiegelung führt der Arzt das Endoskop über die Nase oder den Mund ein. Dieses Endoskop besteht aus einem weichen, beweglichen Schlauch mit zwei bis sechs Millimetern Durchmesser. An der Spitze des Schlauches sitzt eine Kamera samt Lichtquelle. Mehr zur Bronchoskopie hier.

Blick in den Magen mit dem Gastroskop

W&B/Martina Ibelherr

Magenspiegelung (Gastroskopie oder Ösophago-Gastro-Duodenoskopie)

Eine Magenspiegelung ist eine Untersuchungsmethode, mit deren Hilfe sich Beschwerden der Speiseröhre (Ösophagus), des Magens (Gaster) und des Zwölffingerdarms (Duodenum) abklären lassen. Das dabei eingesetzte Gastroskop ist ein optisches Gerät in Form eines flexiblen Kunststoffschlauchs. Der Schlauch verfügt neben Kamera und Lichtquelle auch über zusätzliche Arbeitskanäle. Über diese Kanäle kann der Arzt zum Beispiel mit einer Zange Gewebeproben entnehmen, sogenannte Biopsien. Er kann auch über das Gastroskop Farbstoffe auf die Schleimhäute sprühen, um Veränderungen besser sichtbar zu machen. Spritzt der Arzt außerdem vom Zwölffingerdarm aus Kontrastmittel in die Gallenwege und den Bauchspeicheldrüsengang, um anschließend davon eine Röntgenaufnahme anzufertigen, heißt das Verfahren ERCP. Diese Abkürzung steht für Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie). Mehr zur Gastroskopie hier.

Bauchspiegelung (Laparoskopie)

Bei der Bauchspiegelung führt der Arzt durch die Bauchdecke ein röhrenförmiges Endoskop in die Bauch- oder Beckenhöhle ein, um die inneren Organe zu beurteilen. Neben der Stellung einer Diagnose sind im selben Eingriff auch laparoskopische Operationen möglich. Im Unterschied zu einer offenen Operation am Bauch, der sogenannten Laparotomie, sind für Eingriffe mit dem Laparoskop nur einige kleine Schnitte notwendig. Durch diese kleinen Schnitte kann der Arzt sowohl das Endoskop als auch die Operationsgeräte in die Bauchhöhle einbringen. Wegen der kleinen Zugänge spricht man auch von Schlüsselloch-Chirurgie. Mehr zur Laparoskopie hier.

Dünndarmspiegelung (Kapselendoskopie)

Der Dünndarm ist per Schlauch nur schlecht zu erreichen. Deshalb gibt es hier eine besondere Form der Endoskopie mithilfe einer Kamerakapsel. Diese Kapsel ist nur rund 2,5 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von etwas über einem Zentimeter. Der Patient verschluckt die Kapsel, die dann auf dem natürlichen Weg den Magen-Darm-Trakt passiert. Währenddessen funkt sie Fotos nach draußen. Diese Bilder zeichnet ein Empfangsgerät auf, das der Patient während der Untersuchung bei sich trägt. Der Patient kann sich also während der Untersuchung frei bewegen. Im Anschluss wertet ein geschulter Arzt die automatisch aufgenommenen Bilder aus. Die Kapselendoskopie wird vor allem angewandt, wenn es um die Frage nach einer Blutung im Dünndarmbereich oder einer chronischen Darmentzündung (Morbus Crohn) geht. Mehr zur Kapselendoskopie hier.

Ein Endoskop für die Koloskopie ist etwa fingerdick

iStock/Chris Pole

Darmspiegelung (Koloskopie)

Durch eine Darmspiegelung lassen sich verschiedene Krankheiten am Dickdarm (Kolon) sowie am Ende des Dünndarms (terminales Ileum) erkennen. Außerdem ist sie eine sehr zuverlässige Methode, um Darmkrebs und dessen Vorstufen aufzuspüren. Die Vorstufen sind gutartige Schleimhautwucherungen und werden Polypen genannt. Diese Polypen kann der Arzt auch mittels Darmspiegelung abtragen. Zur Vorbereitung auf die Untersuchung muss der Patient am Vortag ab Mittag nüchtern bleiben und nach den Vorgaben des Arztes Abführmittel einnehmen. Bezieht sich die Untersuchung nur auf die untersten Abschnitte des Dickdarms, ist keine Einnahme von oralen Abführmitteln nötig. Der Arzt spricht dann je nach Umfang der Untersuchung von einer Proktoskopie, Rektoskopie oder Sigmoidoskopie. Mehr zur Koloskopie hier.

Mit dem Zystoskop betrachtet der Arzt Harnröhre und Blase von innen

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Blasenspiegelung (Zystoskopie)

Bei der Blasenspiegelung untersucht der Arzt die unteren Harnwege mit einem speziellen Untersuchungsgerät (Zystoskop). Zu den unteren Harnwegen gehören die Harnröhre und die Blase. Mit der Zystoskopie kann der Arzt Veränderungen wie Verengungen der Harnröhre, Vergrößerungen der Prostata, Veränderungen der Schließmuskelfunktion der Blase, Tumore oder Blasensteine feststellen und beurteilen. Bei Bedarf sind mit einer Narkose auch kleinere chirurgische Eingriffe im Rahmen einer Blasenspiegelung möglich. Bei einer Ureteroskopie untersucht der Arzt auch noch die Harnleiter, die den Harn von den Nieren zur Harnblase transportieren. Mehr zur Zystoskopie hier.

Spiegelung des Kniegelenks

W&B/Aleksander Perkovic

Gelenkspiegelung (Arthroskopie)

Die Gelenkspiegelung ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Arzt ein Endoskop in die Gelenkhöhle einführt. Dieser Eingriff kann sowohl der Diagnosefindung als auch der Behandlung dienen. Der Bedarf an diagnostischen Arthroskopien ist durch die Weiterentwicklung der Kernspintomografie allerdings deutlich zurückgegangen. Die therapeutische Arthroskopie hingegen kann oftmals eine größere Operation ersetzen, beispielsweise beim Ersatz eines gerissenen Kreuzbandes im Kniegelenk. Mehr zur Arthroskopie hier.

Endoskopien weiterer Körperbereiche

Auch eine Spiegelung der Speicheldrüsen ist möglich, der HNO-Arzt spricht dann von einer Sialendoskopie. Nase und Nasennebenhöhlen kann er mittels einer Sinuskopie untersuchen. Per Ohrtrichter untersucht er das Ohr und nennt es Otoskopie. Ursachen für Schnarchen kann er mittels Somnoendoskopie (einer Art Rachenspiegelung) unter Narkose abklären.

Die Untersuchung des Augenhintergrundes heißt Ophthalmoskopie, obwohl der Augenarzt dabei nur Hohlspiegel, Lupe oder Spaltlampe vor dem Auge einsetzt.

Frauenärzte spiegeln Scheide und Muttermund mit einer Kolposkopie. Die Gebärmutter betrachten sie per Hysteroskopie, die Milchgänge der weiblichen Brust mithilfe einer Duktoskopie.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Aleksander Perkovic, W&B/Dr. Ulrike Möhle, iStock/Chris Pole, W&B/Szczesny, W&B/Martina Ibelherr
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